Politiker schließen vier Spielplätze
Im Burscheider Rat gab es eine knappe Mehrheit und davor eine scharfe Debatte um die Auslastung der Spielplätze. Die Mehrheit stimmte für die Schließung von vier Anlagen.
Burscheid - Vier Spielplätze werden geschlossen. Dafür sorgte eine Ratsmehrheit am Dienstagabend im Haus der Kunst. Für Benninghausen, die Eschenallee, Am Sieferbusch und die Königsberger Straße soll geprüft werden, ob eine „alternative Nutzung“ möglich ist. So steht es in der Verwaltungsvorlage. Eine Untersuchung der Fachhochschule Bochum hatte zuvor ergeben, dass auf den fraglichen Plätzen nie oder sehr selten Kinder anzutreffen waren.
In der Einwohnerfragestunde meldeten sich mit Kirsten und Gerhard Weish die Sprecher der Elterninitiative „Spielplatz Königsberger Straße“ zu Wort. Sie überreichten eine Liste mit rund 100 Unterschriften im Namen von 173 Kindern. „Wir reagieren mit Unverständnis und Empörung auf die Schließung und können die Argumente der Verwaltung nicht nachvollziehen“, sagte Gerhard Weish. Er zweifelt am Interesse der Stadt am Erhalt der Spielplätze und mahnt „familienpolitische Verantwortung“ an. Sowohl Jörg Baack (CDU) als auch Ute Hentschel (Grüne) verwiesen auf die finanziellen Nöte. „Deswegen ist es plausibel, Spielplätze abzubauen, die kaum oder gar nicht genutzt werden“, sagte Hentschel. Sie ließ das Argument der Eltern nicht gelten, wonach die Spielplätze besser angenommen würden, wären sie in einem besseren Zustand: „Wir haben nur ein begrenztes Budget und können nicht alle 24 Plätze mit den allerneuesten Geräten ausstatten.“ Also sei es sinnvoller, die gut genutzten Spielplätze weiterhin gut auszustatten, zu pflegen und in Stand zu halten. Jörg Baack erinnerte daran, dass der nächste Spielplatz für die „Königsberger Kinder“ nur 150 Meter entfernt liegt. Darüber hinaus bleibt es bei 24 Plätzen: Vier weitere werden bald von der Stadt übernommen: zwei in Rötzinghofen, je einer auf dem Thielgelände und am Brucher Feld. Der Vorwurf einiger Eltern und Politiker, dass „mal wieder an Kindern gespart wird“, wies Bürgermeister Stefan Caplan zurück. Der Antrag von Bernhard Cremer (BfB), Horst Mebus (FDP) und Dieter Müller (SPD), die Vorlage zurück in die Fraktionen zu verweisen, scheiterte.
Kommentar zur Spielplatz-Debatte im Burscheider Rat
Timm Gatter zur Schließung von Spielplätzen
Der Vertagungsantrag ging denkbar knapp aus: Dafür votierten 20, dagegen 21 Politiker bei einer Enthaltung. Der mutmaßliche Grund für den bemerkenswerten Vorgang lag in der Hasenfüßigkeit einiger Ratspolitiker von SPD, BfB und FDP. Angesichts der Präsenz mehrerer Eltern in der Ratssitzung am Dienstagabend und der von ihnen überreichten Liste mit 100 Unterschriften gegen die Schließung vor allem des Spielplatzes Königsberger Straße bekamen einige Argumente der Gegner einen schalen Beigeschmack. Anscheinend vergaßen einige Fraktionen mit dem Schielen auf die Eltern, dass sowohl der Stadtentwicklungsausschuss als auch der Schul- und Sozialausschuss der Verwaltungsvorlage zur Schließung der Plätze mehrheitlich gefolgt waren. Dass Aki Papazoglou (BfB) ganz besonders betonte, dass man auch die Interessen der Elterninitiative zu vertreten habe, provozierte den Vorwurf des Populismus.
In der ausufernden neuerlichen Diskussion kam leider der Vorschlag von Michael Baggeler (BfB) zu kurz, der Spielplatzmisere mit Hilfe eines Fördervereins zu Leibe zu rücken. Angesichts sinkender Kinderzahlen hätte man sich an dieser Stelle eine sinnvollere Debatte gewünscht.
Kölner Stadtanzeiger vom 09.12.2010
Zurück zur Übersicht