Bürgermeister für alle
Das Aufatmen bei den Siegern und Wundenlecken bei den Verlierern der Kommunalwahl dürfte bald vorbei sein. Dass die CDU nach dem „Bruderzwist“ zwischen Stefan Caplan und Michael Baggeler Federn lassen würde, war zu erwarten. Mit dem Erfolg des Bündnisses für Burscheid war zu rechnen - deswegen hielt die Anspannung am Wahlabend sehr lange an.
Dass der Verlierer Michael Baggeler seinem einstigen Freund Stefan Caplan als erster zum Sieg gratulierte, war eine noble Geste. Möglicherweise ist der Konsens im neuen Stadtrat doch größer als das erweiterte Farbenspektrum vermuten lässt. CDU und BfB speisen sich aus denselben ideologischen Wurzeln. Und auch UWG, FDP und Grüne haben in der Vergangenheit für den Bürger weitgehend nachvollziehbar im Sinne des Gemeinwohls gehandelt. Friede, Freude, Eierkuchen muss das aber nicht bedeuten. Dafür sind die künftigen Aufgaben der finanziell schwer angeschlagenen Kommune zu umfassend.
Der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte neue Bürgermeister wird dabei mit seiner Stimme im Rat das Zünglein an der Waage spielen, auch wenn die Pattsituation mit 21:21 nur rein rechnerisch besteht. Wenn die Beschlüsse im Rat und in seiner Verwaltung vernünftig vorbereitet sind, dürfte es da kaum Probleme geben. Insofern haben sich die meisten Wähler in diesen Krisenzeiten wohl absichtsvoll für Caplan entschieden, der in seiner Eigenschaft als Beigeordneter das Verwaltungsgeschäft von der Pike auf gelernt hat. Er „kann“ Bürgermeister.
Dass ihm dieses Amt auch jene zutrauen, die im Wahlkampf selbst vor persönlichen Attacken nicht zurückschreckten, beweist das Schulterklopfen auch bislang erbitterter Gegner. „Everybody's Darling“ wird und will Caplan trotzdem nicht sein. Sondern ein Bürgermeister für alle.
Kölner Stadtanzeiger, 01.09.2009
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