Wahlgegner reden wieder miteinander
Burscheid - „Wenn ich meinen Resturlaub nehmen würde, wäre ich nur noch 14 Tage an meinem Schreibtisch“: Bürgermeister Hans Dieter Kahrl schenkt der Stadt diese Zeit und bleibt bis zum 21. Oktober im Amt. Seit heute vertritt er seinen Beigeordneten Stefan Caplan. Denn sein just gewählter Nachfolger musste Urlaub nehmen und befindet sich auf dem Weg in die Masuren - wo der Vater seiner Lebensgefährtin Ewa Salamon ganz plötzlich wenige Tage vor der Kommunalwahl gestorben ist. Kurz vor seiner Abreise sprach der künftige Bürgermeister mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ über diese persönliche Belastung, aber auch über den Wahlkampf und die Zukunft der Stadt. „Sicherlich wurde in der aufgeheizten Stimmung auch Porzellan zerschlagen. So gab es einige ehemalige CDU-Mitglieder, die mich nicht mehr grüßten oder versuchten, meine Unterstützer unter Druck zu setzen.“
Diese Phase sei aber nun vorüber: „Jetzt gilt es, zu Gunsten der Stadt wieder vernünftig miteinander umzugehen.“ Eine Frage, die ihn allmählich nervt: „Es müsste doch jedem eigentlich klar sein, dass ich kurz nach der Wahl keine Aussagen über einen möglichen Nachfolger für mich machen kann.“ Ob es wieder einen Beigeordneten geben wird, entscheidet der neue Rat. In der Hauptsatzung ist festgelegt, dass der Rat einen Beigeordneten oder einen Beamten auf Lebenszeit wählen kann - nicht muss. Kahrl: „Die Vorstellungen der Fraktionen sind da unterschiedlich.“ Überlegungen zur Einsparung der Stelle gibt es bislang nur bei der SPD.
Aus Kahrls Sicht ist es wenig sinnvoll, aus Kostengründen auf die Stelle zu verzichten: „Wir haben überhaupt keinen Spielraum mehr.“ Mit der Verabschiedung von Ralph Dünzer in den Ruhestand sei die vierte Verwaltungsspitze nicht mehr besetzt worden: „Diese Arbeit wurde von Stefan Caplan, Bernhard Lentz und mir übernommen.“ Sollte die Position des politisch gewählten Beigeordneten vom neuen Rat nicht gewollt sein, müsse ersatzweise ein Dezernent gewählt werden: „Der Spareffekt ist minimal.“ Kahrl wird sich mit dieser Frage nicht mehr beschäftigen. In den verbleibenden Wochen kümmert er sich um die Burscheider Bebauungspläne („Strasserhof und Thielgelände stehen ganz oben“), den Alleen-Radweg („Die Förderanträge müssen raus“) und die Wirtschaftsförderung („in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten will ich die geknüpften Kontakte dazu nutzen, weiteres Gewerbe und Arbeitsplätze nach Burscheid zu holen“). Und er ist auch Wahlleiter der Bundestagswahl am 27. September. Danach hat er noch drei Wochen - bis zum Ruhestand.
Kölner Stadtanzeiger, 01.09.2009
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