Das Patt beflügelt die Phantasie

Die Zeit danach: Angesichts von je 21 Mandaten in beiden Lagern wollen alle mit allen sprechen. Die Bürgermeisterstimme gewinnt an Bedeutung.

 

Burscheid - Nach der Wahl ist die Farbenlehre in Burscheid um eine Couleur reicher. Zwar hat die CDU ihre Stellung vor der SPD als stärkste Fraktion behauptet, doch führte die Spaltung dazu, dass sich der Stadtrat künftig mit dem BfB um eine sechste Fraktion erweitert. Für den CDU-Fraktionschef Jörg Baack („Wir hatten keinen Kantersieg“) auch ein Grund dafür, darüber nachzudenken, dass CDU und BfB gemeinsam auf beachtliche 49,3 Prozent der abgegebenen Stimmen gekommen wären. Dem erstmals angetretenen BfB gelang auf Anhieb der Einzug in den Stadtrat mit acht Mandaten - es ist nun drittstärkste Fraktion. So fiel die einstige CDU-Hochburg, der Wahlbezirk Pastor-Löh-Haus, an den BfB-Vorsitzenden Aki Papazoglou. Der setzte sich mit 32,5 Prozent gegen das CDU-Nachwuchstalent Nadine Schwarz (26,6) durch. Sicher war der Erfolg von Michael Baggeler in seinem Wahlbezirk Paffenlöh. Der BfB-Bürgermeisterkandidat und einstige CDU-Vorsitzende siegte dort mit 37,7 Prozent.

Kein Wehklagen, aber Trauer gab es bei der SPD. Ihr Vorsitzender, Klaus Becker: „Wir haben eher mit rund 30 als den erreichten 22,2 Prozent gerechnet. Wir sind in den Sog des Machtkampfes zwischen CDU und BfB geraten“, lautete sein Fazit am Montag. Er zollte vor allem dem Wahlkampf des Parteinachwuchses größtes Lob: „Die haben teilweise fast rund um die Uhr geschuftet.“ Aus diesem Grund hätten einige Jusos am Wahlabend regelrecht getrauert: „Die müssen wir jetzt motivieren, weiter zu machen. Das ist Demokratie.“ Dass sein Sohn Dennis Becker im Wahlbezirk Dierath mit 22,2 Prozent das einzige Direktmandat für die SPD geholt hat, sei Beweis dafür, dass die Marschrichtung stimmt. Übermorgen wird die Fraktion das Ergebnis analysieren, um anschließend Gespräche „auch mit der CDU“ zu führen.

Federn lassen musste vor allem auch die UWG, die von 12,1 auf 6,5 Prozent abrutschte. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Fraktionschef Gerd Pieper. Die UWG fühle sich als Bauernopfer, wenngleich das Ziel, Stefan Caplan zum Bürgermeister zu wählen, erreicht wurde: „Allerdings wird die Arbeit im Rat nicht leichter werden.“

Freude hingegen bei den Grünen. Sie verbesserten ihr Ergebnis von 10,2 auf 11,3 Prozent. Nach Ansicht von Ute Hentschel haben die Wähler honoriert, dass sich ihre Partei kurz vor dem Urnengang für den CDU-Kandidaten ausgesprochen hatte.

 

Kölner Stadtanzeiger 01.09.2009



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